Uncle Boonmee: Presseheft

 
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Ein Film von Apichatpong Weerasethakul

Thailand, GB, D, F, E 2010

KINOSTART: 30.09.2010
Laufzeit: 114 Minuten, 35 mm, OmU (Thai mit deutschen Untertiteln), Dolby SR

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489 530 51
Fax: 089-489 530 56
info@movienetfilm.de

Pressekontakt:
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Herzog-Wilhelm-Str. 27
80331 München
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Stab

Buch & Regie
  Apichatpong Weerasethakul
Produzenten
  Apichatpong Weerasethakul
  Simon Field
  Keith Griffiths
  Charles de Meaux
Koproduzenten
  Hans W. Geissendoerfer
  Luis Miñarro
Kamera
  Sayombhu Mukdeeprom
  Yukontorn Mingmongkon
  Charin Pengpanich
Musik
  Koichi Shimizu
Ton
  Akritchalerm Kalayanamitr
Schnitt
  Lee Chatametikool
Herstellungsleitung
  Yaowalak Sae-Khow
Line Producer
  Suchada Sirithanawuddhi


Besetzung
Boonmee
  Thanapat Saisaymar
Jen
  Jenjira Pongpas
Tong
  Sakda Kaewbuadee
Huay
  Natthakarn Aphaiwonk
Boonsong
  Geerasak Kulhong
Roong
  Kanokporn Thongaram
Jaai
  Samud Kugasang
Prinzessin Wallapa
  Mongkolprasert

UNCLE BOONMEE ist eine Produktion der A Kick the Machine Films (THAILAND), Illuminations Films Past Lives Production (GB)
in Koproduktion mit Anna Sanders Films (F), The Match Factory (D), GFF Geissendoerfer Film-und Fernsehproduktion KG (D), Eddie Saeta S.A. (E)
unter Mitwirkung von Fonds Sud Cinéma (F), Ministère de la culture et de la communication CNC (F), Ministère des Affaires Etrangères et Européennes (F)
gefördert von World Cinema Fund (D), The Hubert Bals Fund, International Film Festival Rotterdam (NL), Office of Contemporary Art and Culture, Ministry of Culture (THAI)
in Zusammenarbeit mit ZDF/Arte (D), Louverture Films (USA), Haus der Kunst, München (D), FACT (Foundation for Art and Creative Technology) Liverpool (GB), Animate Projects, London (GB)

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Über Apichatpong Weerasethakul

Wenn der thailändische Regisseur und Künstler Apichatpong Weerasethakul über seinen Film UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN spricht, weist er gern darauf hin, dass alles mit der Installation „Primitive“ begann. Keith Griffiths und Simon Fields von „Illuminations Films Ltd.“ in London haben diese Installation betreut. Sie waren es auch, die UNCLE BOONMEE maßgeblich produziert haben. Wir zeigten „Primitive“ 2009 im Haus der Kunst, im gleichen Jahr war die Installation auch in der Liverpooler Foundation for Art and Creative Technology sowie dem Musee d’Art moderne de la Ville de Paris zu sehen. "Primitive" besteht aus Filmsequenzen, die auf mehreren Bildschirmen gezeigt werden. Begleitet wird die Installation von Kurzfilmen und einem Buch. Das Projekt versammelt mehrere Arbeiten, die sich mit katastrophalen politischen Ereignissen in Thailand befassen. Weerasethakul hat "Primitive" in Nabua angesiedelt, einem verschlafenen Dörfchen im Nordosten Thailands. 1965 wurde diese Region in ganz Thailand bekannt, als es dort zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen kommunistischen Bauern und Regierungstruppen kam. Zwei Jahrzehnte lang hielt das Militär Nabua besetzt, die Region wurde zum Schauplatz von Unterdrückung und Gewalt.

In "Primitive" schildert Weerasethakul den Alltag der jungen Generation von Nabua. Das ist Erinnerungsarbeit – aber eine zeitversetzte. "In diesem Projekt geht es mir um Wiedergeburt und Verwandlung“, sagt Weerasethakul. Wie in seinen anderen Arbeiten wechselt er auch hier zwischen Dokumentation und Fiktion. Die verschiedenen Teile von "Primitive" dienten ihm als visuelles Notizbuch – Weerasethakul benutzt dafür gern das Wort "Impressionen" – auf das auch die Bilder zurückgehen, die wir in UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN sehen. Während seiner Besuche in Nabua begann der Filmemacher an einem Theaterstück zu arbeiten. Dabei inspirierte ihn das kleine Buch „A Man Who Can Recall His Past Lives“, das ihm ein Mönch geschenkt hatte. Darin schreibt dieser Mönch über Uncle Boonmee. Der konnte sich seine verschiedenen Leben im Nordosten Thailands ins Gedächtnis zurückrufen und wurde dabei von bislang unterdrückten Erinnerungen gequält. Diese Lektüre war die Geburtsstunde des Kinofilms "Uncle Boonmee".

Apichatpong Weerasethakul schafft in seinen Installationen und auf DVD Bilder, die bei Kunstausstellungen, Filmfestivals und in Museen zu sehen sind. Er ist nicht der einzige Filmregisseur, der so etwas macht. Heutzutage zeigen viele visuell arbeitende Künstler bewegte Bilder und ahmen sogar die Produktion von Filmen nach. Deshalb enden ihre Arbeiten manchmal auf Filmfestivals. Im Gegenzug bedienen sich Filmemacher – nicht nur die experimentierfreudigen – gern der dunklen Seitenflügel von Museen. Muss das sein? Die Antwort kann nur ein uneingeschränktes Ja sein, solange es in der Welt der hochgerüsteten Industrie und des gnadenlosen Kommerzes kaum Platz für solche anderen Filme gibt. Deshalb sollten wir die berühmte Frage des Filmtheoretikers Andre Bazin ("Was ist Kino?") wohl durch die Frage „Wo ist Kino?“ ersetzen. Natürlich lautet die Antwort: überall! Und das gilt auch für das Kino von Apichatpong Weerasethakul.

Aufgewachsen ist Weerasethakul in Khon Kaen im Nordosten Thailands, wo seine Eltern als Ärzte arbeiteten. Zunächst beschäftigte er sich mit Architektur, ehe er 1997 seinen Abschluss im Bereich Film beim „Art Institute of Chicago“ machte. Zwei Jahre später gründete er seine Produktionsfirma „Kick the Machine“, um unabhängig von der kommerziellen Filmindustrie Thailands arbeiten zu können. Es war die europäische Kunstszene, die Weerasethakuls "kleine Filme" zuerst entdeckte. Erst danach wurde auch die internationale Filmwelt auf ihn aufmerksam: durch "Blissfully Yours", der 2002 den "Prix Un Certain Regard" beim Filmfestival von Cannes gewann.
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UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN ist der bislang zugänglichste Film, den Weerasethakul gedreht hat. Meisterhaft im Griff hat er hier seinen Filmstil und seine Filmstruktur, die ebenso persönlich wie eigenwillig sind. Nirgendwo wirken seine hypnotisierenden Sequenzen zu lang oder zu langsam, die einzelnen Szenen seines Films und deren Details funktionieren wie meditative „Stillleben“. Die Hell-Dunkel-Kontraste benutzt Weerasethakul nicht nur ganz bewusst, sie sind eigene Gebilde. Wenn er seine Geschichten und Charaktere miteinander verwebt, lässt Weerasethakul nie ein Rätsel zu viel entstehen. Er hat eine neue Poesie des Films geschaffen. Sie ermöglicht es dem Betrachter, vor und zurück zu gehen, sich zwischen der modernen Bildersprache der Kinopioniere und der traditionellen der fernöstlichen Kunst zu bewegen. Weerasethakuls gesamtes Werk zeichnet sich durch ein doppeltes Verstehen aus. Der Filmemacher, den viele auch als "Joe" kennen, lässt uns wie ein Thai denken während wir mit westlichen Augen wahrnehmen.

Chris Dercon, München, im Sommer 2010
Chris Dercon ist seit 2003 Direktor vom Haus der Kunst, München und übernimmt ab Januar 2011 die Leitung der Tate Modern in London. Er holte unter anderem Ausstellungen von Paul McCarthy, Andreas Gursky, William Eggleston, Thomas Schütte und Ai Weiwei nach München. 2009 zeigte das Haus der Kunst Weerasethakuls Installation „Primitive“.

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Kurzinhalt

Uncle Boonmee leidet an Nierenversagen. Seine letzten Tage will er auf seinem Landgut im Nordosten Thailands verbringen, umgeben von Verwandten und Freunden, die ihn lieben. Dort taucht plötzlich der Geist seiner verstorbenen Frau auf, um für Boonmee zu sorgen. Auch sein lange verschollener Sohn kehrt zurück – in Gestalt eines Affen. Nachdem Boonmee über die Ursachen seiner Krankheit nachgedacht hat, bricht er mit seiner Familie zu einer Reise durch den Dschungel auf. Die endet in einer geheimnisvollen Berghöhle - dort, wo Boonmees erstes Leben begann.

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Der Regisseur über seinen Film

UNCLE BOONMEE ERINNERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN ist eine Hommage an meine Heimat, aber auch an eine besondere Art Kino, mit der ich aufgewachsen bin. Ich glaube an Seelenwanderungen zwischen Menschen, Pflanzen Tieren und Geistern. Die Geschichte von Uncle Boonmee erzählt vom Verhältnis zwischen Mensch und Tier, zugleich überwindet sie die Linie, die beide trennt. Wenn das Kino so etwas zeigt, wird es zur gemeinsamen Erinnerung von Filmcrew, Schauspielern und Öffentlichkeit. Die Erinnerung der Zuschauer erweitert sich um eine neue, wenn auch simulierte Schicht. In dieser Hinsicht funktioniert Filmemachen so ähnlich, als würde man künstliche vergangene Leben erschaffen. Ich möchte die Eingeweide dieser Zeitmaschine erforschen. Vielleicht sind dort geheimnisvolle Kräfte am Werk, die nur darauf warten, enthüllt zu werden. Manche Praktiken, die als Schwarze Magie abgetan wurden, sind inzwischen ja auch wissenschaftlich bestätigt worden. Für mich bleibt Filmemachen eine Quelle, deren Energie wir noch nicht wirklich genutzt haben. So, wie wir auch die inneren Vorgänge im Gehirn noch nicht wirklich erklärt haben.

Mich interessiert auch, wie Kulturen und Arten zerstört undausgerottet werden. Weil ein Militärputsch den Nationalismus angefacht hat, stehen sich in Thailand in den letzten Jahren Ideologien unversöhnlich gegenüber. Es gibt nun eine staatliche Behörde, die sich als Moral-Polizei versteht. Unterdrücken will sie „unangemessene“ Aktivitäten und die Inhalte, um die es dabei geht. Auch damit steht die Geschichte Uncle Boonmees und seines Glaubens natürlich in Verbindung. Er verkörpert etwas, das im Verschwinden begriffen ist; etwas, das zerfällt wie jene alten Kinos, Theater und Schauspiel Stile, die nicht mehr in unsere Landschaft passen.

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