Hirngespinster: Presseheft

 
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Ein Film von Christian Bach

Deutschland 2013

KINOSTART: 09.10.2014
Laufzeit: 96 Minuten

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489530-51
Fax: 089-489530-56

info@movienetfilm.de

Pressekontakt:
ana radica! Presse Organisation
Ulrike Körner / Katharina Schulz
Herzog-Wilhelm-Str. 27
80331 München
Tel.: 089-23 66 120
Fax: 089-23 66 12 20
UlrikeKoerner@ana-radica-presse.com
KatharinaSchulz@ ana-radica-presse.com

 

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Besetzung

Hans Dallinger

  Tobias Moretti
Simon Dallinger
  Jonas Nay
Elli Dallinger
  Stephanie Japp
Verena
  Hanna Plaß
Maja Dallinger
  Ella Frey
Jochen Benrath
  Stefan Hunstein
Dr. Steinhauer
  Johannes Silberschneider
Guido
  Michael Kranz
Hauptwachtmeister
  Joachim Nimtz
Frau Hagedorn
  Susanne Schroeder
Herr Hagedorn
  Marcus Calvin
Rainer Grabowski
  Jörg Witte
  u.v.a


Stab

Buch & Regie

  Christian Bach
Produktion
  Andreas Richter
  Ursula Woerner
  Annie Brunner
Ausf. Produktion
  Nathalie Scriba
  Ralf Zimmermann
Redaktion
  Hubert von Spreti (BR)
  Martin Kowalczyk (BR)
  Monika Lobkowicz (arte)
  Birgit Kämper (arte)
Bild
  Hans Fromm (BVK)
Casting
  Kathrin Küntzel-Sedler
Kostümbild
  Anke Winckler
Maske
  Dorothea Goldfuß
Szenenbild
  Markus Dicklhuber
Ton
  Udo Steinhauser
Schnitt
  Max Fey
Songs
  Felix von Racknitz
Produktionsleitung
  Sandra Hofmann

HIRNGESPINSTER ist eine Kinoproduktion der Münchner ROXY Film GmbH (Wer früher stirbt, ist länger tot, Almanya, Sommer in Orange) und entstand in Koproduktion mit GLORY Film, CRAZY Film, Bayerischer Rundfunk und arte.

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Inhalt & Pressenotiz

Inhalt
Der 22-jährige Simon Dallinger (JONAS NAY) lebt mit seiner Familie in einer Kleinstadt irgendwo in Deutschland. Wenn Simon nicht mit seinem Kumpel Guido (MICHAEL KRANZ) in dessen Bar abhängt, fährt er als Busfahrer Schulkinder durch die Gegend. Da sein Vater Hans (TOBIAS MORETTI), ein ehemals gefeierter Architekt, schon länger keinen großen Auftrag mehr an Land ziehen konnte, hat Mutter Elli (STEPHANIE JAPP) die Ernährerrolle übernommen, während Simon den Haushalt schmeißt und sich liebevoll um seine kleine Schwester Maja (ELLA FREY) kümmert.

Eigentlich hat Simon sich mit diesem Leben gut arrangiert – würde ihn nicht auf unterschiedlichen Wegen immer wieder die Frage einholen, warum er aus seinem großen Zeichentalent nichts macht. Doch für Simons Verhalten gibt es einen ganz konkreten Grund: sein Vater Hans hat Schizophrenie, verweigert aber jegliche Behandlung. Die Krankheit macht das Familienleben unberechenbar, und Simon tut alles, um das fragile Familiensystem aufrechtzuerhalten – bis zu dem Tag, an dem mit der angehenden Medizinstudentin Verena (HANNA PLAß) erstmals ein Mädchen in sein Leben tritt, das ihm wirklich etwas bedeutet.

Spätestens jetzt reicht es nicht mehr, daran zu glauben, dass alles irgendwie so weiter gehen könnte. Als der Zustand des Vaters sich immer mehr verschlechtert und Simon plötzlich an zwei Fronten kämpft, um Verena nicht zu verlieren, eskaliert die Situation zwischen Vater und Sohn...

Pressenotiz
Mit Fingerspitzengefühl und großer Konsequenz, zugleich humorvoll und spannend erzählt HIRNGESPINSTER von einem jungen Mann, der seine Familie liebt und umso mehr gezwungen ist, sich selbst zu behaupten. Der Film eröffnet uns eine Welt, in der das Auftauchen eines Menschen das fein austarierte Gleichgewicht eines Familiensystems sprengt und die Betroffenen dazu bringt, dorthin zu schauen, wo sie bislang nicht hinsehen wollten. Eine einfache Lösung gibt es am Schluss trotzdem nicht.

Presseinformation
Beim Bayerischen Filmpreis 2013 wurde der Film für die herausragende schauspielerische Leistung gleich zweimal ausgezeichnet: Tobias Moretti erhielt den Preis als bester Darsteller. Jonas Nay wurde als bester Nachwuchsdarsteller geehrt. Von der Deutschen Film- und Medienbewertung erhielt HIRNGESPINSTER das Prädikat „besonders wertvoll“.

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Interview mit Regisseur Christian Bach

HIRNGESPINSTER ist Ihr erster langer Spielfilm, zu dem Sie auch das Drehbuch verfasst haben. Warum wollten Sie gerade diese Geschichte erzählen?

Der Film ist inspiriert von der Familiengeschichte eines Jugendfreundes. Als ich nach und nach erfuhr, was bei ihm damals wirklich passierte, hat mich diese Geschichte nicht mehr losgelassen. Daraufhin habe ich mich gefragt, warum wir diesem „Familiengeheimnis“ so lange ausgewichen sind, oder warum ich es selbst so lange nicht wissen wollte. Inzwischen glaube ich, es liegt an unserem tiefen Unbehagen gegenüber den Krankheiten der Seele, oder, im Falle von Schizophrenie, sogar an einer tief sitzenden Angst, weil noch so viel gefährliches Halbwissen und so viele Vorurteile darüber herrschen. Im Laufe der Drehbucharbeit habe ich mich dann aus Diskretion und Respekt wieder von der Familiengeschichte entfernt, habe einiges verdichtet und dazu gedichtet, ohne jedoch meinen Anspruch an Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit herunterzuschrauben. Dann zieht die Geschichte für mich ihren Reiz ganz allgemein aus dem Spannungsfeld Familie. Es geht um Liebe und Hass, um Verantwortung und Selbstbehauptung, und um die Frage, wie sehr man am Ende nach seinen Eltern kommt, ob man sein Schicksal tatsächlich selbst in der Hand hält oder doch nur Sklave seiner Gene ist. Auch wenn ich jetzt persönlich keinen Schizophrenie-Hintergrund habe, so sind das ganz universelle Themen, die mich sehr beschäftigen und die ich als Filmemacher äußerst spannend finde.

Um wessen Hirngespinster geht es und welche Auswirkungen haben sie auf die Protagonisten des Films/auf die Familie?

Der Vater leidet an einer paranoiden Form der Schizophrenie, die in immer wiederkehrenden Schüben auftritt. Das bedeutet, der Schizophrene ist nicht immer schizophren, sondern über weite Strecken durchaus ganz normal. Doch eine Kleinigkeit, wie die Montage einer Satellitenschüssel, kann schon der Auslöser für einen psychotischen Schub sein. So meint der Vater zu Beginn des Films, Opfer einer Verschwörung zu werden. Später glaubt er sogar, dass die eigene Familie ihn ausspioniert und hintergeht. Die Tatsache, dass jedem Wahn immer auch ein Funken Wahrheit innewohnt, ist dann nur ein kleiner Trost und macht die Sache häufig erst richtig vertrackt. Simon wiederum krankt an dem Hirngespinst, nicht liebenswert zu sein. Als Sohn eines Geisteskranken, aufgewachsen in einem Umfeld emotionaler Unberechenbarkeit und sozialer Isolierung, ringt er mit seinem Selbstwertgefühl und einem tiefen Misstrauen sich selbst
gegenüber. Denn der Wahnsinn könnte ja auch in ihm stecken. Es gibt eine Wahrscheinlichkeit von 15-20%, die Disposition für Schizophrenie geerbt zu haben, wenn ein Elternteil erkrankt ist. Also durchaus ein beunruhigender Gedanke. Und da es immer noch keine Tests gibt, müssen die Betroffenen sehr lange mit dieser Ungewissheit leben.

Simon verliebt sich in HIRNGESPINSTER zum ersten Mal in seinem Leben. Was bedeutet das für ihn?

Der Status Quo seiner Familie, für die er bisher eine tragende Säule war, gerät damit ins Wanken. Denn die Tatsache, dass Verena bald wegzieht, spiegelt nicht nur seine eigene Notwendigkeit des Aufbruchs wider, sondern setzt ihn auch unter Handlungsdruck. Insgeheim sehnt Simon sich zwar nach echter Nähe, aber sobald es mal ernster wird, steht ihm wieder sein tiefes Misstrauen und seine Unverbindlichkeit im Weg. Bei Verena sieht sich Simon dann das erste Mal gezwungen, wirklich die Hosen runterzulassen. Denn mit 22 ist ihm seine Herkunft noch ziemlich peinlich- der Vater ist schließlich ein Freak, ein „Schizo“. Da kommen dann auch biologische Mutmaßungen und Vorurteile ins Spiel, von wegen „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm". Um diese Außenwirkung weiß Simon natürlich als ein reflektierter und empfindsamer Mensch. Aber er hat das Glück, an eine junge Frau zu geraten, die über diesen Dingen steht, die neugierig ist, nicht nachgibt, ihn aus der Reserve lockt und das Gefühl gibt, trotzdem ein liebenswerter Mensch zu sein.

Simon fragt seine Mutter Elli im Laufe des Films: „wie hältst du das eigentlich aus, mit einem Schizophrenen“. Warum ist Elli bisher bei Hans geblieben?

Das frage ich mich auch bei manch „normalen“ Paar, dazu braucht es keine Geisteskrankheit. Aber es stimmt, in diesem Fall drängt sich die Frage besonders auf. Einmal ist es sicherlich eine Charakterfrage, denn es gibt durchaus noch Menschen, die „in guten wie in schlechten Zeiten“ ernst nehmen. In HIRNGESPINSTER lautet das Motto der Mutter jedenfalls „Wer manchmal seinen Verstand verliert, der hat wenigstens einen“ – das zeigt, wie sie dem Problem mit gesundem Humor begegnet. Und es steckt ja auch eine Wahrheit in dem Spruch. Denn Hans ist trotz allem attraktiv, witzig und intelligent, ein getriebener Macher, ein energiegeladener Kerl und begabter Architekt, dessen Scheitern nichts mit einem Mangel an Talent zu tun hat, sondern mit seiner Krankheit. Und das ist vielleicht sogar der wichtigste Aspekt: von manischen und wahnhaften Persönlichkeiten geht oft eine unglaubliche Anziehungskraft und Faszination aus, gerade in jungen Jahren, wenn sich die Krankheit noch nicht vollständig manifestiert hat. Ich habe bei meinen Recherchen oft gehört, dass die Partner gerade das attraktiv und liebenswert fanden, was sich erst viel später als Merkmal einer handfesten Geisteskrankheit entpuppte. Und genau dieser Punkt macht das Dilemma der Mutter aus, wenn sie Hans die Medikamente dann heimlich gibt. Sie hintergeht ihren Mann, sie weiß um die persönlichkeitsverändernde und sedierende Wirkung der Medikamente, ist aber trotzdem bereit, diesen Preis zu zahlen, um ihren Mann nicht zu verlieren.

Warum verweigert der Vater so vehement jegliche Medikation?

Das Hauptproblem des Vaters ist nicht die Schizophrenie allein, sondern seine völlige Verweigerung einer Krankheitseinsicht. Wenn er sich also für kerngesund hält, warum sollte er dann noch Medikamente nehmen? Das macht die Situation natürlich besonders aussichtslos und belastend. Dann handelt es sich bei diesen Medikamenten ja um Psychopharmaka, die massiv in die Biochemie des Hirns eingreifen. Ein Betroffener hat mir die Wirkung einmal so beschrieben: „Ein stecknadelkleiner Teil des Hirns funktioniert nicht richtig, und man schießt zur Behandlung mit einer Schrotflinte drauf.“ Wahr ist allerdings auch, dass sehr viele Betroffene und Angehörige heilfroh sind, dass es diese Medikamente gibt, spätestens wenn sie eine gefährliche, gar lebensbedrohliche Psychose eindämmen. Trotzdem sind langfristig betrachtet Persönlichkeitsverändernde Nebenwirkungen auch bei den neuen atypischen Neuroleptika nicht zu leugnen. Die Betroffenen klagen neben rein körperlichen Defiziten häufig über Antriebslosigkeit und eine starke geistige Einschränkung. Das ist für kreative Menschen natürlich besonders schlimm. Wenn man also dem Wahnsinnigen seinen Wahn nimmt, was bleibt dann noch von ihm? Für mich ein echtes Dilemma – es gibt keine richtigen Antworten, nur interessante Fragen.

Tobias Moretti spielt den schizophrenen Familienvater Hans, Jonas Nay seinen Sohn. Was waren die Herausforderungen dieser Rollen, wie war die Zusammenarbeit?

Tobias Moretti stand vor der Herausforderung, einen Schizophrenen in diversen Zuständen absolut glaubhaft zu verkörpern, vom sukzessiven Abgleiten in eine Psychose bis hin zu ihrem exzessiven Höhepunkt, und das alles mit der Angst, der Wut und dem Schmerz eines von seiner Paranoia gepeinigten Menschen. Er musste dabei einen Psychotiker auch von seiner weniger schmeichelhaften Seite zeigen, wenn er tagelang nicht geschlafen und nicht geduscht hat, nicht zu schweigen von den Auswirkungen der Neuroleptika. Darüber hinaus galt es, der Figur ihre Würde zu belassen. Die Rolle von Hans definiert sich ja nicht als Irrer, sondern als ein vielschichtige
Mensch mit einer langen Geschichte als Ehemann, Vater, Architekt, und manchmal halt auch als Wahnsinniger. Aber Tobias hat den „Irren“ nicht schauspielerisch ausgestellt, sondern der Figur eine tiefe Menschlichkeit gegeben, mit einer breiten Palette an Emotionen und feinen Nuancen. Dafür hat Tobias alles mitgebracht, was ich mir als Regisseur nur wünschen konnte: Respekt, Vertrauen, Leidenschaft, Mut und Hingabe. Er ist ein wunderbarer Schauspieler, einer unserer besten, und die Arbeit mit ihm war für mich ein großartiges Erlebnis und einRiesenfreude.
Jonas Nay wiederum hatte mit seiner Hauptfigur Simon natürlich die Hauptlast des Films zu tragen. Er musste sich sowohl gegenüber einer charismatischen Vaterfigur, als auch gegenüber der schauspielerischen Urgewalt von Moretti behaupten. Aber Jonas stand ihm da in nichts nach, hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert und von Anfang eine unendliche Leidenschaft für den Film mitgebracht. Die Figur macht im Laufe des Films eine subtile Entwicklung durch, viele der Konflikte sind rein innerlich, und Jonas hat diese Konflikte sehr glaubhaft dargestellt und die Entwicklung von Simon spürbar gemacht, mit all seiner Zerrissenheit, seiner Sehnsucht, seiner Angst, selbst verrückt zu werden und seinem Dilemma mit der Verantwortung. Allein das alles unter einen Hut zu bekommen ist schon eine großartige Leistung. Davon abgesehen ist Jonas Nay einfach ein toller Typ, absolut down-to-earth, einer, dem man den Jungen von nebenan sofort glaubt, weil er dieses sympathische Leinwand-Charisma ohne Poster-Boy-Attitüde hat.

Eine letzte Frage: Wie nah am Wahnsinn sind wir alle eigentlich?

Ich finde, das kommt ganz drauf an, was wir als normal empfinden. Und für mich ist normal, wer mit seinem Wahnsinn gut leben kann.

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Prädikat „besonders wertvoll“
Auszüge aus der Jurybegründung der FBW. Deutsche Film- und Medienbewertung

Wie schmal die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn sein kann, zeigt dieser dramaturgisch erstaunlich dichte und konsequent erzählte erste Langfilm von Christian Bach. (...)
Wie geht eine Familie mit einer solchen Krankheit um, wie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den Eheleuten, wie zwischen Vater und Sohn, und wie wird die erst neunjährige Tochter mit diesem familiären Ausnahmezustand fertig? Aus diesen Fragen bezieht der Film seine Spannung, die bis zum Schluss andauert. Dabei wird in immer neuen Konstellationen das Thema behandelt. (...)

Bei all diesen dramatischen Darstellungen verliert sich HIRNGESPINSTER nicht in Klischees oder sentimentalen Szenen, verurteilt nicht, sondern erzählt eine intensive, oft tragische Geschichte, in die aber auch Momente der Hoffnung, überzeugende Gefühle und sogar humorvolle Augenblicke eingestreut sind. Herausragend sind alle Darsteller in diesem Film, sowohl der schon mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichneten Tobias Moretti als durch seine Psychose an den Rand des Abgrunds gedrängten Vater, als auch Jonas Nay als der Sohn, der seinen Vater verzweifelt liebt, ihm aber nicht helfen kann und am Ende der eskalierenden Ereignisse selbst zum Opfer wird. Ein bemerkenswertes Kinodebüt, dem das höchste Prädikat verdientermaßen einstimmig zugesprochen wurde.

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