Tango Libre: Presseheft

 
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Ein Film von Frédéric Fonteyne

Belgien / Luxemburg / Frankreich 2012

KINOSTART: 13.06.2013
Laufzeit: 105 Minuten

Verleih:
Movienet Film
Rosenheimerstr. 52
81669 München
Tel: 089-489 530 51
Fax: 089-489 530 56

info@movienetfilm.de

Pressekontakt:
PANORAMA ENTERTAINMENT
Amelie Linder
Ickstattstr. 1
80469 München
Tel.: 089-30 90 679- 33
Fax: 089-30 90 679- 11

amelie.linder@panorama-entertainment.com

 

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Stab

Regie

  Frédéric Fonteyne
Drehbuch
  Anne Paulicevich
Adaption &
  Anne Paulicevich
Dialoge
  Philippe Blasband
Szenenbild
  Virgine Saint Martin, S.B.C.
Schnitt
  Erwin Ryckaert
Ton
  Carlo Thoss
Mischung
  Thomas Gauder
Kostüme
  Catherine Marchand
Ausstattung
  Véronique Sacrez
Regieassistenz
  Manu Kamanda
Produktion
  Patrick Quinet
  Claude Waringo
Co-Produktion
  Christophe Rossignon
  Philip Boeffard
  Tomas Leyers
  Alette Zylberberg

Besetzung

JC

  Francois Damiens
Fernand
  Sergi López
Dominic
  Jan Hammenecker
Alice
  Anne Paulicevich
Antonio
  Zacherie Chasseriaud
Der Argentinier
  Mariano "Chico" Frumboli
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Inhalt

Jean-Christophe (François Damiens), von allen nur "JC" genannt, erfüllt beruflich wie privat alle erforderlichen Charaktereigenschaften eines Gefängniswärters. Unter ständiger Selbstkontrolle stehend bewegt er sich lautlos und kaum wahrnehmbar wie ein Schatten durch die Gefängnisräume, selbst kaum von seiner Umwelt beachtet fügt er sich voll und ganz in die Rolle des Beobachters, er überwacht, kontrolliert, sich selbst ebenso wie andere mit strengster Akribie. JC ist der klassische Einzel-gänger, emotionale Beziehungen zu anderen - abgesehen von seinem Goldfisch, den er seit 15 Jahren pflegt und hegt - sind in seinem Leben ebenso wenig vorhan-den wie eine funktionierende Interaktion zwischen Verstand und Herz.

Auch der wöchentliche Tangokurs ändert an dieser gekappten Verbindung zunächst nichts, JC tanzt und übt und strebt dabei doch nur technische Perfektion an – bis Alice (Anne Paulicevich) auftaucht, eine attraktive Frau, der es nach dem ersten gemeinsamen Tanz gelingt, JC aus seiner selbst erbauten Zelle zu locken, indem sie ihm wortlos zu verstehen gibt, was das Wesen des Tangos ausmacht: der nahtlose Übergang von seelischem in körperlichen Ausdruck, verbunden mit einem Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz, Verführung und Zurückweisung, ein Spiel, das sich ganz in der Sprache des Körpers und der Blicke äußert...

Und so ist es Alice, die nicht nur JCs komplette Wahrnehmung auf den Kopf stellt, seinen nüchtern-kontrollierenden Blick zu einem begehrenden macht, sondern ihn hineinzieht in einen komplizierten, hochemotionalen Wirbel aus Leidenschaft und Eifersucht, aus dem sich ein Machtkampf unter Männern um die Gunst des Objekts der Begierde, um Alice, entspinnt...

Dass dieser, in jeder Hinsicht selbstbestimmt lebenden Frau nicht nur seine Auf-merksamkeit zuteil wird, sondern er diese mit zwei Männern, ausgerechnet zwei un-ter seiner Beobachtung stehenden Gefängnisinsassen - Alices Ehemann Fernand (Sergi López) und ihr Geliebter Dominic (Jan Hammenecker) - teilen muss, macht die Sache für JC nicht leichter. Dem immer verflochtener werdenden Wechselspiel der Gefühle und Eifersüchteleien, das sich um Alice herum zwischen JC, Fernand und Dominic entwickelt, wird im Tango Ausdruck verliehen.

Und so kommt es, dass der Tango schließlich die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt verwischt. Innerhalb der Gefängnismauern wird bald, unter der Führung ei-nes namenlos bleibenden Argentiniers (Mariano „Chicho“ Frumboli) ebenso leidenschaftlich getanzt wie "draußen", wo JC und Alice tanzend ihre Körper sprechen lassen und zarte Liebesbande knüpfen...

Das Gefühlschaos schwillt immer weiter an und gipfelt schließlich in einem emotionalen Höhepunkt, dessen ausschlaggebendes Ereignis die Offenbarung eines lange gehüteten Familiengeheimnisses zwischen Alice, Fernand und Dominic ist: Alices fünfzehnjähriger Sohn Antonio (Zacharie Chasseriaud) erfährt von seinem vermeintlich leiblichen Vater Fernand, dass sein wirklicher Vater dessen bester Freund Dominic ist – eine lebenslang aufrecht erhaltene Lüge zerplatzt.

Als die Situation innerhalb wie außerhalb der Gefängnismauern immer mehr zu eskalieren droht, fasst JC einen Entschluss, der ihn nun endgültig aus seinem penibel geordneten Leben herauskatapultiert: Er verhilft Fernand und Dominic unter Zuhilfenahme von gewalttätigen Mitteln zu Flucht und Freiheit. Als er schließlich in den Fluchtwagen einsteigt und sich zusammen mit Alice, Antonio, Fernand und Dominic mit quietschenden Reifen in ein unbestimmtes Leben aufmacht, ist sein Wendepunkt besiegelt und er kehrt seinem alten Leben ein für allemal den Rücken.

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Frédéric Fonteyne über seinen Film

ANMERKUNGEN ZUR INTENTION

Nach LA FEMME DE GILLES habe ich mir Zeit gelassen, um mir ein paar Fragen zu beantworten, über das Leben, die Welt die mich umgeben hat, meine Freunde, die Möglichkeiten und Grenzen, weiterhin Filme zu machen.

Wenn ich wüsste, woher dieses Verlangen danach kommt, einen Film zu machen, wäre ich vermutlich kein Cineast. Das Einzige was ich weiß ist, dass es lediglich ein Drehbuch braucht, das so etwas wie den springenden Punkt offenbart damit ich mich für einen Film engagiere.

Vor diesem Drehbuch haben Anne Paulicevich und ich versucht, ein anderes Drehbuch mit dem Titel "Une famille ordinaire" ("Eine gewöhnliche Familie") zu schreiben. Dafür haben wir unsere jeweiligen Familiengeschichten recherchiert, haben versucht gewisse Familiengeheimnisse ausfindig zu machen, jedoch schafften wir es nicht sie vollends aufzudecken, Licht in bestimmte Dunkelzonen zu bringen. Wir sahen uns mit Illusionen und Missständen in unseren Familien konfrontiert. Das war eine aufregende Arbeit und dennoch waren wir uns im Klaren darüber, dass wir nicht den nötigen Abstand hatten, dass uns das Fiktive fehlte um das Projekt zu starten. Zu dieser Zeit entstand die Geschichte von TANGO LIBRE.

Ich habe vor einigen Jahren versucht Tango tanzen zu lernen, es aber nicht geschafft. Ich habe mich dagegen entschieden alles für ein Leben in Buenos Aires aufzugeben und es stattdessen vorgezogen, mich weiterhin auf das Filmemachen zu konzentrieren. Allerdings haben der Tango und der Film für mich einen gemeinsamen Bezugspunkt. Sie beide offenbaren die Dinge über die Sprache des Körpers, Dinge, die sonst verborgen geblieben wären. Der Tango gibt die tragikomische Unbeholfenheit der Figuren wider, die Schönheit dieser Unbeholfenheit. Auch übermittelt er Themen wie Leidenschaft, Verrat, unterschwellige Homosexualität, den Kampf um eine Frau.

Dieser Film hat den Rhythmus, die Leichtigkeit der Milonga*, verbunden mit der Melancholie und der Tristheit des Tango.

* Die Milonga wird technisch wie der Tango getanzt, aber der Rhythmus ist leidenschaftlicher, lebendiger, der Tanz ist oft fröhlicher und einfacher.

DEN BLICK HINTERFRAGEN

TANGO LIBRE hinterfragt so wie alle meine Filme den Blick, das Sehen. Nicht umsonst ist die Hauptfigur ein Gefängnisaufseher. Die wichtigste Aufgabe eines Mannes mit diesem Beruf ist das Sehen, das Überwachen.

Als wir am Drehbuch arbeiteten machten wir uns mit einer ganzen Reihe von Menschen bekannt um uns inspirieren zu lassen, und unter ihnen war ein ehemaliger Gangster, der viel Zeit seines Lebens im Gefängnis verbrachte, ein ganz kleiner Bursche namens Dominique, von allen Dom genannt, ein kleiner Bursche den seine eigene Gewalttätigkeit entsetzte. Außerdem war da noch Samuel, ein leitender Gefängniswärter, der uns von seinem Job berichtete.

Man spricht oft über Gefängnisse, von den unbeschreiblichen Problemen dort, von den Streiks, die Strafvollzugsbeamte anzetteln, wenn die Situation unerträglich wird. Über die Situation der Wärter jedoch wird gar nicht oder zumindest nicht ausreichend gesprochen.

Mir hat die Idee gefallen, einen Film über jemanden zu machen der sich normalerweise außerhalb des Blickfeldes bewegt, der aber selbst beobachtet. Der Held meiner Geschichte ist ein unsichtbarer Mann, der beobachtet. Es geht um den Blick eines Mannes der eine Frau, die von einem anderen Mann begehrt wird, beobachtet, um Blicke zwischen Vater und Sohn, zwischen zwei Vätern, um den Blick eines Mannes auf eine Frau, den er mit seinem besten Freund teilt. Oder anders ausgedrückt geht es um die Zurückweisung des Blickes ab dem Moment, wo der Blick ein begehrender wird.

DIE BESUCHERRÄUME

Der Dreh- und Angelpunkt von TANGO LIBRE, der einzige Ort im Gefängnis an dem die Innenwelt mit der Außenwelt zusammentrifft ist natürlich der Besucherraum. Es gibt zwei Arten von Besucherräumen. Da sind einmal die Besucherräume am Fenster, hier können Inhaftierte und Besucher, voneinander getrennt durch eine dicke Fensterscheibe, entweder direkt über kleine Löcher in der Scheibe miteinander sprechen oder sie nutzen das Telefonsystem, aber sie können sich nicht berühren (sich nur ansehen und miteinander sprechen). Die zweite Möglichkeit eines Austausches ist ein Gespräch am Tisch, üblicherweise in einem großen, lauten Raum des Gefängnisses stattfindend, hier finden sich Inhaftierte mit ihren Familien an einem Tisch zusammen, stets unter den Blicken der Wärter.

Unsere Recherchen haben uns den einzigartigen Stellenwert dieser Besucherräume bestätigt, als Räume, die immense, emotionsgeladene Kräfte enthüllen. Der Gefangene wartet die ganze Woche auf sein nächstes Gespräch, überdenkt noch einmal worüber zuletzt gesprochen wurde und worüber das nächste mal gesprochen wird, denn das Gefängnis ist ein Ort des Grübelns, während sich der Besuchende stets bemühen muss ein Besuchsrecht zu erhalten, das je nach Fall oft zu kurz, manches mal zu lang ausfällt, und sich zudem weiterhin dem Leben draußen stellen muss.
Für mich stellt das Gefängnis eine Metapher dar, die Unmöglichkeit einer Beziehung zwischen Mann und Frau verkörpernd. Der Film setzt dabei weniger das Gefängnis an sich ins Zentrum des Geschehens als vielmehr die Besucherräume - als Orte an denen sich Familien wieder zusammenfinden. Ich bin überzeugt davon dass ein Familienfilm alles andere als einfach zu machen ist, da muss man nur mal an seine eigene Familie denken...

DEN KÖRPER HINTERFRAGEN: DER TANGO

Genauso wie es unmöglich ist, das zu filmen was zwischen zwei Menschen eigentlich passiert, die miteinander schlafen, scheint es mir unmöglich zu sein das zu filmen was sich zwischen zwei Menschen beim Tanz abspielt. Hingegen ist es durchaus möglich die Wirkung des Tanzes auf die Körper filmisch festzuhalten. Merkwürdigerweise bemühe ich mich beim Filmen von Körpern immer darum etwas Verborgenes, das ohne den Einsatz der Kamera unsichtbar bleiben würde sichtbar zu machen. Ein Film in dem getanzt wird ist ein Film über den Rhythmus, angefangen beim Herzschlag in all seinen Variationen, plötzlichen Beschleunigungen die zu erröteten Gesichtern führen und abgelöst werden von abruptem Innehalten, das aus erröteten leichenblasse Gesichter werden lässt.

TANGO LIBRE ist wie eine Milonga komponiert, er gleitet dahin und markiert dabei die Stimmigkeiten wie auch die Unstimmigkeiten jeder Figur, wie ein Musikstück in dem die verschiedenen Energien aufeinandertreffen.

DIE TRAGIKOMÖDIE

Ich wollte in diesem Film diesen speziellen Ton der Tragikomödie wiederfinden. Die Tragikomödie und vor allem die Komödie drehen sich meiner Meinung nach um kör-perliche und sexuelle Dinge, die Absurdität, die Unbeholfenheit und die Schönheit dieser Dinge. Die Tragikomödie operiert mit kontrolliertem Abgleiten, weil sie perma-nent auf der spiegelglatten Ebene des Paradoxen entlangschlittert.
Aus diesem Grund bewegt sich der Ton, der ganze Stil des Films, ständig zwischen diesen beiden Kontrasten: den begrenzten Möglichkeiten im Gefängnis und dem Wunder der Liebe.

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